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- Pale Blue: 100 choreografische Exponate
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Gerade hat der Sommer mit einem Knall angefangen, ein halbes Jahr steht noch bevor, doch ich habe bereits mein Buch des Jahres gewählt. Etwas Schöneres, Einfacheres, Vergnügliches und auch eine bessere aufrichtigere Leseempfehlung als Malachy Tallacks zweiten Roman, Der Ozean so wild und weit, werde ich in diesem Jahr nicht mehr finden. Der Autor erzählt von Jack Paton, der gerne ein Star der Countrymusik geworden wäre. Doch die Shetlandinseln, wo Jack seit seiner Geburt vor gut 60 Jahren lebt, gehören zu Schottland, wo man andere Lieder singt.
In seiner Choreografie White Red hat sich Nikolaus Adler, angeregt von einem Song von Laurie Anderson, mit dem Menschen beschäftigt, gefragt, was er ist, wie er wird und geworden ist. In der aktuellen Präsentation, Pale Blue, steht die Außenansicht im Mittelpunkt. Mit 100 Exponaten, konkret und abstrakt, zeigen drei Tänzerinnen und zwei Tänzer in einer choreografischen Ausstellung die Welt, die sie umgibt. Pale Blue. Ein Blick auf die Welt in 100 imaginierten Artefakten hat am 27.6. im Wuk Premiere gehabt.
Laura Fernandez Gromova und Kentaro MItsumori. Ein Liebespaar; Chiara Uderzo Giorgio Fourés ein anderes Liebespaar. In der 75. Vorstellung des Balletts Manon, der 6. in der aktuellen Serie am 20. Juni, hätte das durchreisende Publikum neben den beiden Paaren auch andere Rollendebüts beobachten. Doch, wer zählt die Sterne, nennt die Namen, wenn es nur um den Selfie-Beweis des Dagewesenseins geht! Siebenmal wurde Kenneth MacMillans Handlungsballett vom Wiener Staatsballett gezeigt, in fünf davon mühten sich hervorragende Tänzer*innen als Debütanten in ihren Rollen.
Fünf Tänzer*innen proben eine Ausstellung. Sie werden dem Publikum 100 Blicke auf die Welt, ihre Welt, präsentieren. Die Ausstellung wird getanzt, die Bilder von Objekten aus dem Alltag, der Natur, den Erinnerungen oder Gefühlen entstehen im Kopf des Publikums. Pale Blue, Blassblau, nennt der Choreograf Nikolaus Adler die umgedrehten Ausstellung aus Bewegungen.
Theater für Schulanfänger*innen: Eine Tänzerin und eine Musikerin werden zur Astronautin ausgebildet und bei den Prüfungen darf das Publikum mithelfen. Die interaktive Performance Kleiner Schritt, Großer Sprung, gespielt, getanzt und musiziert vom Kollektiv Kunststoff im Dschungel Wien, ist eine richtig vergnügliche Vorstellung. So energiegeladen die Performerinnen auf der Bühne, so aktiv und bewegt sind die kleinen und auch die großen Zuschauer*innen rundum.
Ein letztes Mal im brut nordwest. Die Performance-Installation der Choreografin Karin Pauer und des bildenden Künstlers Aldo Giannotti betrauert und feiert das Ende eines schon bei der Eröffnung als „vorübergehend“ markiertem Standortes. For Now ist ein groß angelegtes flüchtiges Kunstwerk, das vom Ende einer Ära, vom Verschwinden eines lieb gewordenen Ortes erzählt, um dann selbst zu verschwinden. Das brut nordwest gibt es nicht mehr. Die Erinnerung bleibt noch eine Weile, der Geist, der das brut angetrieben und erfolgreich gemacht hat, lebt weiter. In die Trauer mischen sich Freude und Genuss an diesem in jeglichem Wortsinn einmaligen Spektakel.





