Kalaschnikow – Mon Amour: Das Männerensemble wäscht Angst und Hass ab.

Ein eine junge Frau als Solistin und sechs junge Männer in der Gruppe haben am 24. September die Saison im Dschungel Theaterhaus für Kinder und Heranwachsende eröffnet. Ein fulminanter Eröffnungsabend mit zwei Produktionen, direkt und authentisch. Shahrzad Nazarpour zeigt ihre Performance „Hijab offline“; Corinne Eckenstein hat das Tanzstück „Kalaschnikow – Mon Amour“ mit sechs jungen Flüchtlingen erarbeitet. Beide Vorstellungen werden im Gedächtnis bleiben und werden nicht nach vier Abenden im Archiv versinken. Im März gibt es eine Wiederholung der eindrucksvollen Stücke. 

Ditta Rudle
Das engagierte Ensemble von "(Ob)Sessions"

Eine Wundertüte öffnet sich im Kasino am Schwarzenbergplatz. Die israelische Choreografin / Regisseurin präsentiert das Gruppenstück „((Ob)Sessions“, eine bunte Revue aus Tänzerinnen, Artisten und Schauspieler:innen, die in einem üppigen Bühnenbild über alles Mögliche, Leben und Tod, Möse und Penis, plappern und wenig sagen. Die mit dem üblichen Premierenapplaus lautstark bedachte Premiere an am 22. September stattgefunden.

Ditta Rudle
"Beethoven-Projekt II": Endlich wieder Tanzen, endlich wieder Berühren.

Nach seiner abendfüllenden Choreografie „Beethoven-Projekt“, 2018, wollte John Neumeier mit seinem Hamburg Ballett auch zum Beethovenjahr 2020 etwas beitragen. Doch das bekannte Virus machte all seine Pläne zunichte, keine öffentlichen Konzerte, kein Ballett zum 250. Geburtstag. Sieben verschobene Premierentermine mussten die Tänze des Hamburg Ballett und der Chef, John Neumeier, durchtauchen, bis „Beethoven-Projekt II“, endlich im heurigen Mai in Hamburg uraufgeführt werden konnte. Zum Beginn der neuen Saison begeisterte das Hamburg Ballett jetzt auch das Publikum im ausverkauften Theater an der Wien.

Ditta Rudle
Michikazu Matsune mit seinen personifizierten Assoziationen.

Einer der vergnüglichsten Abende bei den Wiener Festwochen 2021 ist die Performance „Misouko & Mitsuko“ von und mit Michikazu Matsune. Was nicht heißt, dass es Matsune nicht ernst meint mit den verschlungenen Linien und fantastischen Assoziationen zwischen Asien, wo er im japanischen Kobe geboren worden ist, und den europäischen Städten Wien und Paris. Doch Matsune, der Japaner in Wien – seit gut 30 Jahren, Indoktriniert und manipuliert sein Publikum nicht. Er unterhält es und überlässt es jeder und jedem Einzelnen, sich die nötigen und richtigen Gedanken zu machen.

Ditta Rudle
Sergiu Matis, Martin Hansen, Manon Parent: Singen für die Vögel. © yako.one

Mit einer Mischung aus Tanz und Vortrag lädt Sergiu Matis gemeinsam mit Manon Parent und Martin Hansen ins Sterbezimmer bedrohter Vogelarten. „Extinction Room (Hopeless.)“ ist in zwei Versionen, für Innen und Außen, entstanden und 2019 in Berlin uraufgeführt worden. Als eine der letzten Vorstellungen im Rahmen des ImPulsTanz Festival ist die ambitionierte Arbeit im ehemaligen Gustinus-Ambrosi-Museum im Augarten zu sehen. Die Freiluftversion gefällt den Verantwortlichen für die Bundesgärten nicht. Sie haben ein imaginäres Verbots-Schild angebracht.

Ditta Rudle
Audrey Merilus, Michiel Vandevelde, Oskar Stalpaert.

 

Ein Trio von zwei Tänzern und einer Tänzerin, ein Komponist und Musiker mit dem Akkordeon und Johann Sebastian Bachs „Goldberg Variationen“ ergeben einen großartigen Tanzabend. Philippe Thuriot hat Bachs bekanntes Klavierwerk für sein Instrument transponiert und spielt die Komposition live auf der Bühne. Die Choroegrafie hat Michiel Vandevelde, der auch selbst tanzt, geschaffen und auch mit theoretischem Unterbau versehen. Doch der ist lediglich Zusatz für jene, die fragen, was der Tanz ausdrücken soll. Bewegung zur Musik im Raum, das sollte genügen. Mit Jubel und Applaus zeigt das ImPulsTanz Festival-Publikum nach der Premiere im Odeon seine Begeisterung für die überzeugende Performance.

Ditta Rudle

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