Videokommunikation in "Long Life".

Die Salzburger Tänzerin / Choreografin Editta Braun ist nicht oft in Wien zu Gast. Doch wenn sie da ist, wie in dieser Woche im Kosmos Theater, dann hat sie ein begeistertes Publikum im gefüllten Saal. In ihrer Choreografie „Long Life“ bringt sie eine Kultfigur der Salzburger Tanz- und Theaterszene auf die Bühne: Myrtó Dimitriádou. Noch mit 75 verblüfft ihre Bühnenpräsenz. Neben ihr behauptet sich die Wiener Tänzerin Cat Jimenez, deren Lebenslinie nur halb so lang ist wie die der in Griechenland geborenen Tänzerin und Schauspielerin Dimitriádou. Der Wien-Premiere von „Long Life“ am 20. April hat Braun auch ein Geschenk beigepackt: Die aus Polen stammende Tänzerin Maja Mirek zeigt ihr Solo „NaYma“ – das Auditorium tobt.

Ditta Rudle
Natali Mandila, Katerina Andeou in "Zeppelin Bend"

Katerina Andreou zeigt gemeinsam mit Natali Mandila ein explosives Duett, das durch seine Unmittelbarkeit das Publikum nahezu ebenso beansprucht wie die Tänzerinnen. Der Titel verweist auf einen Knoten, der bei Zug so fest hält, dass er ein Luftschiff, einen Zeppelin, auf dem Boden hält, doch sich leicht lockern lässt, wenn der Zug nachlässt. Mit der auf den Körper konzentrierten Performance haben die beiden Tänzerinnen nach mehreren Corona-bedingten Verschiebungen am 8. April das Publikum im Tanzquartier hellauf begeistert.

Ditta Rudle
"We were never one" Zwischen den Objekten: Anna Biczók.

Ausgehend von der Erkenntnis, dass der Mensch ein soziales Wesen ist und auch mit der Natur in einer Gemeinschaft lebt, baut Karin Pauer ihre Choreografie und bewegt sich mit der Tänzerin Anna Biczók und den beiden Tänzern Hugo Le Brigand und Arttu Palmio zwischen einer Installation aus bunten Steppdecken von Maureen Kaegi. „We were never one" („Wir waren niemals nur eines“) ist der Titel der verkörperten „Enzyklopädie des Jetzt“ mit Livemusik von Paolo Monti / the starpillow im brut nordwest.

Ditta Rudle
Wir tanzen, also Leben wir. Castellucci bei den Wiener Festwochen.

Als Prolog zu den Wiener Festwochen, die ihren tatsächlichen Beginn mit „Tumulus“ von François Chaignaud am 14. Mai feiern, bringt Romeo Castellucci seine Inszenierung von Mozarts „Requiem“ auf die Bühne in der großen Halle des Museumsquartier. Eine Koproduktion der Wiener Festwochen und der 11. Besuch Castelluccis in Wien. Mit ihm sind der Dirigent Raphaël Pichon und seine Formation Pygmalion samt Solist:innen und einer Schar von Bühnenlaien dabei. Nach der Premiere am 1. April warten noch drei Aufführungen auf ein begeistertes Publikum.

Ditta Rudle
 Company Elio Gervasi:"Merce 2-for-7", Skulptur von Alberto Franceschini.

Eine herausragende Persönlichkeit und einer der einflussreichsten Choreographen des 20. Jahrhunderts“, die Hymnen, die heute noch erklingen, gebühren Merce Cunningham, geboren 1919 in Centralia / Washington, gestorben 2009 in New York City. Der Tänzer und Choreograf Elio Gervasi lässt sich von Cunninghams Idee des „reinen Tanzes, der nichts ausdrückt als den Tanz“ inspirieren und hat dessen choreografische Prinzipien mit heutigen Tänzer:innen in die Gegenwart überführt. „Merce 2-for-7“, eine Verneigung vor dem experimentierfreudigen Künstler Cunningham von Elio Gervasi und seiner Company im WuK.

Ditta Rudle
 Keine Angst: Der Startschuss verletzt niemanden.

Die international renommierte und preisgekrönte Schweizer Choreografin Tabea Martin ist eine Zauberin. Das konnte auch das Wiener Publikum ab 12 bereits in der vergangenen Dschungel-Saison feststellen, als Martin ihr Team mit dem Tod tanzen ließ. Diesmal wendet sie sich mit einem Feuerwerk an Einfällen an jüngere Kinder. „Geh nicht in den Wald, im Wald ist der Wald“ ist eine überaus vergnügliche Performance, obwohl Spiel und Tanz Gefühle aufzeigen, die alle kennen: Furcht und Frustration, Diskriminierung und Ausgrenzung, Enttäuschung und Vorurteile. Tabea Martin und ihr Team waren für ein kurzes Gastspiel in Wien.

Ditta Rudle