"Glass Pieces" mit dem fulminanten Herrenensemble.

In der vierten Aufführung des mehrteiligen Abends, „A Suite of Dances“ überraschen einige Rollendebüts und, wie erwartet, zeigt sich das Corps de Ballet nun sicher im Takt. Keine Stolperer und Knieschnackler mehr, der erste Teil von „Glass Pieces“ in der Choreografie von Jerome Robbins schnurrt ab, obwohl er mangels rhytmischer Akzentuierung schwierig zu tanzen ist. Zählen, zählen, zählen, und das im gleichen Takt ist das Motto, wenn zur Musik Philip Glass getanzt wird.

Ditta Rudle
Eva-Maria Schaller: "Die Unbekannte aus der Seine". © Christopher Mavric

Der Tänzerin Hanna Berger (1910–1962) und ihrer Kunst widmet Eva-Maria Schaller ihren Online-Abend im Tanzquartier, „Recalling her Dance. A choreographic encounter with Hanna Berger“. Schaller setzt sich tänzerisch mit der Biografie Bergers und in dem damit eng verbundenen Werk auseinander. Vier Choreografien – die kurzen Solos „Krieger“, „Aufruf“ und „Mimose“ ein zarter Tanz, der für Schaller den Übergang zum Hauptstück, „Die Unbekannte aus der Seine“ bildet – geben in der Online Produktion einen Eindruck von Bergers Ausdruckskraft und Engagement.

Ditta Rudle
Fäden, Schlagzeug, Olivia Hild: "-gate".

Eine Tanzaufführung, wie sie sein soll. Mit „-gate“ zeigt Inge Gappmaier, wie ausdrucksstark Tanz auch ohne Worte sein kann. Mit der Choreografin tanzen Olivia Hild, Nanina Kotlowski und Patric Redl, der auch als Musiker auf die Trommel schlägt und für das gesamte Sound Design verantwortlich ist. Die bejubelte Uraufführung hat am 29. Mai im Kosmos Theater stattgefunden.

Ditta Rudle
Kollektiv kunststoff mit Holzstoß. © Aleksandra Cwen

Kein Irrtum in der Schreibweise, das Kollektiv kunststoff will einen Begriff schaffen: „MeinAllesaufderWelt“. Einstweilen ist es ein Abend mit Tanz und Theater und viel Holz, doch keineswegs hölzern. Zwei Musiker und neun Performer:innen kehren ihr Innerstes nach außen und zeigen im WuK, was ein Scheiterhaufen und ein einzelnes Scheit alles sein kann.
Premiere war am 27. Mai.

Ditta Rudle
"Zeugs": Sven Kaschte als Bobby Bär, Patrick Weber als Philomena.

Mit zwei Premieren öffnen sich die beiden Bühnen im Dschungel Wien. „Zeugs“, ein Theaterstück mit einer Tanzeinlage, erfreut schon Sechsjährige, keine Überraschung, ist es doch eine Produktion der Plaisiranstalt. Für 10 + versuchen sich fünf Akrobatinnen als Piratinnen und begreifen, dass Gesetzlosigkeit nicht das geeignete Mittel der Selbstbehauptung sein kann.

Ditta Rudle
Roman Lazik, Nina Poláková: "Glass Pieces". © The Robbins Rights Trusts

Der Zufall will es, dass der für 23. Mai geplante Ballettabend mit Werken von Jerome Robbins, garniert mit George Balanchines „Duo Concertant“, just zum Ende des Lockdowns, fast wie vorgesehen, am 20.5.2021 stattfinden kann. Aus dem Zufall wird ein Glücksfall, sind doch die heiteren bis amüsanten Choreografien Robbins für das New York City Ballet (NYCB) leicht konsumierbare Ballette, geschmückt mit dem delikaten Zwiegespräch zwischen Musik und Tanz von George Balanchine, ein schöner Einstieg rechtzeitig vor dem nahenden Saisonende.

Ditta Rudle