Claudine Schoch / Marcos Menha, Fion McGee / Daniel Vizcayo, Elena Bottaro / Masayu Kimoto

Cl. Schoch / M. Menha, F. McGee / D. Vizcayo, E.Bottaro / M. Kimoto

Die Tanzeinlagen im traditionellen Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker stehen ebenfalls traditionell, nicht im Mittelpunkt der Veranstaltung, das tut die Musik. Heuer haben die weißen Pferde die Polka für sich erobert. Ballettdirektor Martin Schläpfer musste sich als Choreograf nur um den Walzer, „Tausend und eine Nacht“, op. 346 von Johann Strauss Sohn, kümmern. Ein Debüt. Mehr Erfahrung hat der Kostümbildner Arthur Arbesser, der schon im zweiten Neujahrskonzert die Tänzer:innen  einkleiden durfte.

Yuko Kato, Calogero Failla besuchen Schönbrunn und die tanzenden Paare. Schon im September ist die Einlage unter der Fernseh-Regie des erfahrenen Regisseurs Michael Beyer in und um das Schloss Schönbrunn aufgezeichnet worden. Zehn Tänzer:innen waren bereit für diese Extraaufgabe. Allen voran die Solotänzerinnen Rebecca Horner, wunderschön als bloßfüßige Scheherazade im grünen Seidenkleid und Ioanna Avraam als elegantes Gegenstück in hellem Blau. Fiona McGee war im steifen extrakurzen Tutu als Kasperl verkleidet, Seniortänzerin Yuko Kato und Halbsolist Calogero Failla spazierten wie Harold und Maude durch Schönbrunn.
Viel Möglichkeiten sind einem Choreografen für den Auftritt der Tänzerinnen und Tänzer im Neujahrskonzert nicht gegeben. Rebecca Horner, bezaubernde Scheherazade. Die Örtlichkeiten, Schlösser, Palais und fürstliche Gemächer und Gärten schränken die Bewegungsmöglichkeiten ein. Die Tänzer:innen laufen durch die goldenen oder verspiegelten Säle, hüpfen über Stiegen, stolpern auch, wenn der Choreograf Besonderes erdacht hat, tanzen sich die Füße wund auf Schotter und Sand, drehen sich im Walzertakt oder auch daneben.
 Der zweite Auftritt der Tänzer:innen, zu einer Polka, wurde diesmal vierbeinig getanzt und war 2022 den weißen Pferden vorbehalten. Die Lipizzaner der Spanischen Hofreitschule sind von der UNESCO als eines der "unschätzbaren und uIoanna Avraam, das Debüt als Tatjana im Ballett "Onegin" hat ihr Omicron gecancelt. nersetzlichen Güter, nicht nur jedes Volkes, sondern der ganzen Menschheit" auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt.
Das Orchester der Wiener Philharmoniker zu loben, hieße Athen um einige Eulen zu bereichern, was auch für die Compagnie des Wiener Staatsballetts gilt. Vier Paare dieser formidablen Compagnie   – Elena Bottaro / Masayu Kimoto, Yuko Kato / Calogero Failla, Fiona McGee / Daniel Vizcayo, Claudine Schoch / Marcos Menha – und die Solistinnen Ioanna Avraam, Rebecca Horner haben im Sommer bei Wind und Wetter draußen und auf dem Parkett drinnen geprobt und sind in der Aufzeichnung zu sehen. Daniel Vizcayo und Fiona McGee tanzen aus der Reihe.
Auch wenn über die Probleme in der Spanischen Hofreitschule an so einem Tag der salbungsvollen Reden nicht gesprochen wird und auch das Geburtsdatum des von Fernsehstationen in 90 Ländern ausgestrahlten Neujahrskonzertes (1939 / 1941) diskret verschwiegen wird, so könnte man doch fragen, wieso Barenboim und Kollegen mehrmals diese traditionelle Veranstaltung dirigieren (2023 wird es Franz Welser-Möst sein, ebenfalls zum dritten Mal), aber in mehr als 60 Konzerten keine einzige Frau am Dirigentenpult zu sehen war. Auch wenn ein paar Alibidamen im Orchester sitzen, bleibt dieses Konzert ein Rendezvous alter weißer Männer. Sie sitzen im Saal, auf dem Podium und stehen am Pult. Tradition halt.

Live-Übertragung aus dem Goldenen Saal im Wiener Musikverein: Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 1. Jänner 2022.
Mit einer aufgezeichneten Tanzeinlage von Mitgliedern des Wiener Staatsballetts zu Walzermusik von Johann Strauss, Sohn, und einer Pferdedressur zur „Nymphen-Polka“ von Josef Strauss. Choreografie des Walzers "Tausend und eine Nacht": Martin Schläpfer.
Fernsehregie: Michael Beyer. Dirigent der Wiener Philharminiker: Daniel Barenboim.
Fotos: © ORF / Günther Pichlkostner, Albert Mican.