Das engagierte Ensemble von "(Ob)Sessions"

Das engagierte Ensemble von "(Ob)Sessions"

Eine Wundertüte öffnet sich im Kasino am Schwarzenbergplatz. Die israelische Choreografin / Regisseurin präsentiert das Gruppenstück „(Ob)Sessions“, eine bunte Revue aus Tänzerinnen, Artisten und Schauspieler:innen, die in einem üppigen Bühnenbild über alles Mögliche, Leben und Tod, Möse und Penis plappern und wenig sagen. Die mit dem üblichen Premierenapplaus lautstark bedachte Aufführung an am 22. September stattgefunden.

Poledance auf der Burgthaterbühne im Kasino: Thales Weilinger „(Ob)Sessions“ beginnt mit Vogelgezwitscher und Kampfkunst und endet auch damit. Knapp nachdem ein Todesfall nicht betrauert, die Leiche jedoch mit dem Mist, der auf der Bühne ausgestreut worden ist, bedeckt wird. Körperkunst mischt sich mit Darstellungskunst, es wird getanzt, im Tutu und am Pole, und geturnt, die Männer zeigen Muskeln, die Frauen lange Beine und wackelnde Hinterteile. Es geht vornehmlich um das sattsam bekannte Thema der Selbstoptimierung, der dauernden Selbstdarstellung in den social Media und die Sehnsucht, nach beachtet und geliebt zu werden, und auch um das Frauenbild in einer Männergesellschaft. Auch im Tanzquartier, im brut und im Dschungel Wien, sind die Themen bereits ausgeschlachtet worden. Burgtheatermimin als Sexy Hexy auf dem Dreirad.
Magal findet dafür zwar hübsche, üppige und farbenfrohe Bilder, doch von Schauspieler:innen kann nicht verlangt werden, dass sie tanzen können und von Tänzer:innen und Körperkünstler:innen nicht, dass sie verständlich artikulieren und richtig betonen können. An diesen Punkte führt sich die schicke Idee, alle Kunstsparten auf einen Haufen zu werfen, weil ja ohnehin jede(r) alles kann, ad absurdum. Zumal das, was da gefragt und gesagt wird, von keinerlei Relevanz ist und durch wiedergekäute Klischees und Banalitäten, samt lauen Scherzchen, weder anregend noch nachhaltig wirkt.
Die zahlreichen Kostümwechsel (von schwarzweißem Spotdress bis zur glitzernden Ballrobe samt hochhackigen Lackschuhen für alle) werden auf offener Bühne, einem schmalen Streifen vor den Sitzreihen, rasant und geschicht ausgeführt (die entblößten Hinterteile über brennenden Kerzen gehören zur Choreografie). Camilla Orlandi, Studierende der MuK, dreht sich an der Stange. Das Auf- und Abbauen der Möblierung (Sesselreihen, grüne Inseln für die Pole-Stangen, ein Wald mit ausgestopften Tieren aus dem Naturgeschichtskammerl und anderen aus dem Kinderzimmer, der sich bald – wie originell – zur Gstätten wandelt), wird ebenfalls mit Elan absolviert und dehnt den Abend auf zwei Stunden. Die heimische Choreografin Florentina Holzinger schafft die gleichen Themen präziser, kompakter und eindrucksvoller in einer.
Die zaghaften Versuche, mit Anekdoten über das Sexleben und fiktiven Fragen danach, scheinbar dem Hite-Report (Shere Hite, 1977!) entnommen, können die Qualität des Angebots aus dem Gemischtwarenladen auch kaum erhöhen. Üppig ist kein Synonym für eindrucksvoll, High Heels an Männerfüßen sind so oft schon da gewesen wie Mozart-Musik und kleine, ferngelenkte Jedi-Meister.

Saar Magal: „(Ob)Sessions“. Regie und Choreografie Saar Magal. Kostüme & Bühne Slavna Martinović; Bühne Laura Malmberg; Sounddesign Nikolaj Efendi; Licht Norbert Gottwald ; Dramaturgie Götz Leineweber.
Mit Elisabeth Augustin / Andréanne Brosseau / Gail Skrela / Arthur Klemt / Christoph Luser / Camilla Orlandi / Kaja Piszczek / Thales Weilinger / Paul Wolff-Plottegg. Premiere: 22. September 2021. Folgevorstellungen: 1., 2., 4. Oktober, Kasino am Schwarzenbergplatz.
Eine Kooperation mit der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien.
Fotos: © Burgtheater / Karolina Miernik